IBA Konferenz LeerGut

Positionen über das Umdenken, Umprogrammieren und Umnutzen von Leerstand

Ort 
Egon-Eiermann-Bau
Auenstraße 11
99510 Apolda
Germany
Ansprechpartnerin

Katja Fischer
Projektleiterin
Telefon: +49 3644 518 32-05
katja.fischer@iba-thueringen.de

Veranstalter

· IBA Thüringen
· Wüstenrot Stiftung

Leer und gut!

Wenn man durch Thüringens Kleinstädte und Dörfer spaziert, sieht man sie immer wieder: leere Gebäude, verblichene Schilder und vergilbte Gardinen. In dem zu 90% ländlich geprägten Bundesland mit seinen etwa 2,1 Millionen Einwohnern lebt rund die Hälfte der Menschen in Gemeinden mit weniger als 10.000 Einwohnern. Trotz vielfältigen privaten Engagements und langjähriger öffentlicher Förderung gibt es massenhaft leerstehende Immobilien, über 45.000 leerstehende Wohn- und Nichtwohngebäude, die das Ortsbild beeinträchtigen. Die drei größeren Städte in der Landesmitte - Erfurt, Weimar, Jena – wachsen. Die Folge, wie bei anderen sogenannten Schwarmstädten auch: wachsender Druck auf dem Wohnungsmarkt und bei gewerblichen Immobilien. In unmittelbarer Nähe aber ringen Kommunen seit Jahren um eine lebendige Stadtmitte, den Erhalt baukulturellen Erbes und öffentlicher Infrastrukturen.

Die IBA Thüringen nimmt die Opulenz an leerstehenden Gebäuden im Flächenland Thüringen zum Anlass, um in IBA Modellprojekten das zukünftige Potential dieser Standorte auszuloten. Am 30. Juni und 1. Juli 2016 fand im Eiermannbau Apolda zum Thema LeerGut, einem von drei Schwerpunkten der IBA, eine Konferenz in Kooperation mit der Wüstenrot Stiftung statt.

Mit der IBA Konferenz konnten wir 2016 gemeinsam und nach vielen Jahren des Ungenutztseins und Leerstehens den Eiermannbau in der Apoldaer Auenstraße, zumindest für einen kurzen Moment, wieder öffnen. Über 220 Besucher kamen nach Apolda, bei der über 20 Redner aktuelle Thesen und gute, internationale Praxisbeispiele zum Umgang mit leerstehender Substanz und brachgefallenen Standorten präsentierten. Mut und Durchhaltevermögen als wesentliche Voraussetzung, zivilgesellschaftliches Engagement und Zieloffenheit, aber auch neue Betreiberkonstellationen und alternative Baustandards wurden diskutiert. Aber auch Vorschläge zur Weiterverwendung von Baumaterial, wenn langfristig keine Nachfrage mehr zu erwarten ist.

IBA Konferenz LeerGut

Der Umgang mit dem Bestand ist eine wichtige Zukunftsaufgabe. Anstelle stetig neu zu wachsen und immer neue Flächen und Materialien zu verbrauchen, vertritt die IBA eine Position, in der das Weiter- und Wiederverwenden, das Umnutzen und Umbauen von Standorten und Gebäuden Vorrang vor dem Neubau erhält. Erforderlich ist mehr Raum zum Experimentieren, für Innovation und für Kreativität, um daraus neue Chancen und Optionen für dieses besondere Beispiel guter Baukultur zu erhalten. Aber die Mobilisierung von LeerGut braucht nicht nur gute Ideen, sondern vor allem auch neue Instrumente. Oft genug wäre der Bestand in funktionaler Hinsicht leicht umnutzbar, würden sich Nutzer der Mühe unterziehen, ihre Ansprüche mit dem Angebot an Gebautem abzugleichen, bevor man vorschnell und aus praktischen Gründen an das Neubauen geht. Praktisch stehen dem jedoch viele Hindernisse im Weg. Daher muss die Arbeit im Bestand erleichtert werden. Denn LeerGut lässt sich selten nach einfachen Regeln erschließen, LeerGut fordert Nutzer und Techniker, Behörden und Finanziers heraus. Ein lohnendes Feld für den Innovationsanspruch einer IBA!

Beim Abendempfang wurde nach langen Jahren wieder auf dem Dach gefeiert.

Die zweitägige IBA Konferenz LeerGut war selbst ein erster Schritt für eine Wiedernutzung des leerstehenden Eiermanngebäudes. Eine Art öffentlicher und gemeinsamer Selbstversuch, der im Ergebnis sehr erfolgreich war und eine zeitnahe Innutzungsnahme des Eiermannbaus in Aussicht stellt.

Wir danken unserem Konferenzpartner - der Wüstenrot Stiftung - für die Veranstaltungskooperation, der Gesellschaft zur Entwicklung und Sanierung von Altstandorten (GESA) für ihre unkomplizierte Unterstützung, allen Rednern und Gästen für ihre Beiträge, Nachfragen und das insgesamt große Interesse an der Veranstaltung und dem Eiermannbau.